Das Wahlprogramm der AfD kritisch gelesen
AG zur hessischen Kommunalwahl 15.3.2026. In einem Flyer wurden einzelne Textpassagen aus dem Wahlprogramm der AfD zur Kommunalwahl in Hessen am15.3.2026 herausgegriffen und kommentiert. Dies ist eine Arbeit der Arbeitsgruppe „Intelligent der AfD begegnen“ aus dem „Bündnis für Demokratie und Zivilcourage Bergstraße“
Slogan auf dem Titel: „Komm, wir retten unsere Heimat!“
Es wird hier die Angst vor dem großen Bevölkerungsaustausch geschürt, dass die „weiße“ deutsche Bevölkerung in die Position der Minderheit abrutsche und die deutsche Identität in Gefahr sei.
Mit Rezepten von gestern die Zukunft gestalten? Abgesehen davon geht es unserer Heimat nach wie vor gut. Wir wollen nicht in diese Weltuntergangsstimmung einstimmen!
In Deutschland leben heute laut Islam-Konferenz ungefähr 5,5 Millionen Menschen muslimischen Glaubens. Etwa die Hälfte von ihnen besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Das sind knapp drei Millionen Menschen. Damit beträgt der muslimische Anteil an der
Gesamtbevölkerung rund 6,6 Prozent. Kehrschluss: Im Moment sind 93,4 Prozent der Bürger keine Moslems.
Klimaideologische Prestigeprojekte wie Kommunale Wärmeplanung, Wind- oder Solarparks sind aufzugeben.“ (S. 6)
Die kommunale Wärmeplanung spielt eine Schlüsselrolle, damit Deutschland bis 2045 klimaneutral werden könnte. Ihre Kosten für die Durchführung sind Planungskosten und keine Anlagenkosten. Sie sind vernachlässigbar gegenüber den Einsparungen, die damit eventuell erreicht werden können. Es geht u. a. darum, in den Kommunen das Potential ungenutzter, kostenloser Abwärme aus industriellen Anlagen zu untersuchen.
Erst wenn sich in der Planung ergibt, dass ein Potential wirtschaftlich nutzbar ist, kann es zu einer Umsetzung kommen. Nur wenn dies der Fall ist, entstehen Investitionen, über die Potentiale mit niedrigem Technikaufwand nutzbar gemacht werden.
„Windkraft- und Photovoltaikanlagen sind nicht grundlastfähig und deshalb für die Energieversorgung eines Industrielandes nicht geeignet.“ (S. 29)
Windkraft und Photovoltaik leisten einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung des Landes: 41,6 % im Jahr 2023, 47% im Jahr 2024, (vorläufig 55,6% im Jahr 2025). Zusammen mit elektrischen Energiespeichern, die es bereits gibt und von denen weitere in Planung sind, werden Windkraft und Photovoltaik auch grundlastsicher.
„Viele Tierarten, wie Vögel, Insekten und Fledermäuse fallen den Anlagen (Windenergie!) zum Opfer.“ (S. 29)
Irreführung: Windkraftanlagen verursachen relativ wenige tote Vögel (0,1 Millionen) im Vergleich zu anderen menschlichen Faktoren wie dem Verkehr (70 Millionen), wozu auch Glasflächen oder Katzen gehören. Im Vergleich zu Windkraftanlagen sterben 700mal mehr Vögel durch Straßenverkehr, 1150mal mehr durch Glasscheiben und 800mal mehr durch Katzen. Ähnlich sieht es bei Insekten und Fledermäusen aus, allerdings gibt es hier deutlicher weniger Daten aus Erhebungen.
„Die AfD fordert die freie Wahl der Energieträger (wie z. B. Gas oder Öl) statt ideologischer Bevormundung durch den Staat.“ (S. 29)
Die „Bevormundung“ des Staates gibt es nicht. Das ist eine falsche Darstellung. Die Hersteller von Wärmepumpen blieben 2024 auf Ihren Produkten sitzen: Wurden in Deutschland 2023 noch 438.500 Wärmepumpen verkauft, so waren es 2024 nur 234.500 Systeme, wie der „Bundesverband Wärmepumpe“ berichtet.
Zuvor hatte es eine breit angelegte Kampagne gegen das Heizungsgesetz gegeben. Würde diese „ideologische Bevormundung“ tatsächlich existieren, wären die Bürger dazu gezwungen worden, Wärmepumpen zu kaufen. Das war aber nicht der Fall, das Gegenteil trat ein.
„Finanzielle Mittel sollen nach Möglichkeit nur für die Kernaufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge bereitgestellt werden. Sämtliche Leistungen, die keinen gesetzlichen Verpflichtungen unterliegen, müssen auf den Prüfstand. Das Ziel müssen ausgeglichene Haushalte sein.“ (S. 5)
Unter freiwillige Leistungen oder Aufgaben fallen jene Angelegenheiten, bei der nur die Kommune entscheidet, ob sie tätig werden möchte oder nicht. Diese bilden das Herzstück der kommunalen Politik, denn es geht hier vor allem um kulturelle und soziale Aufgaben wie:
• Beratungsstellen
• Museen und Bibliotheken
• Jugendeinrichtungen
• Sportplätze und Freibäder
• Tierparks und weitere Freizeitangebote
Diese Leistungen geraten als erstes in Bedrängnis, wenn die finanziellen Mittel gekürzt werden.
"Während des Zeitraums des Asylverfahrens sollen Asylbewerber bevorzugt in zentralen Aufnahmeeinrichtungen untergebracht werden. Die Standorte von Unterkünften sollen so ausgewählt werden, dass der soziale Frieden vor Ort gewahrt bleibt." (S. 22)
Gerade die dezentrale Unterbringung in Wohnungen ist ein wesentlicher Schritt zur Integration. Sie schafft Begegnungen und gesellschaftlich Teilhabe, sie trägt zum sozialen Frieden vor Ort bei. Ghettoisierung bewirkt das Gegenteil.
So erklärte der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth: „In unseren wissenschaftlichen Untersuchungen, dem sogenannten ‚Heim-TÜV‘, finden sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die dezentrale Unterbringung von Schutzsuchenden den sozialen Frieden und eine gute Nachbarschaft gefährdet. Diese Behauptung bedient und verstärkt populistisches Gedankengut in Wortwahl wie Inhalt. Die Erfahrungen zeigen vielmehr, dass eine dezentrale Unterbringung von Schutzsuchenden in Wohnungen zur schnelleren und besseren Integration beiträgt. Sie ist am Ende noch kostengünstiger für die Landkreise.“
"Sogenanntes ‚Kirchenasyl‘ ist illegal und zu unterbinden." (S. 22)
Das Kirchenasyl beruht auf einer Vereinbarung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit den Kirchen. Es ist für besonders gelagerte Härtefälle im sog. Dublin-Verfahren gedacht. Hierbei geht es um die drohende Abschiebung in die europäischen Länder, in denen Geflüchtete zuerst registriert wurden
"Die AfD tritt im Rahmen des geltenden Rechts für eine weit möglichste Begrenzung des Familiennachzugs ein." (S. 22)
Zum menschenwürdigen Leben gehört, nicht dauerhaft von der Familie getrennt zu sein. Dies gilt auch für Geflüchtete.
"Statt Integrationsleistungen mit dem Ziel der Einbürgerung, spricht sich die AFD für Schnellkurse in dem Erwerb handwerklicher Fähigkeiten aus, die beim Wiederaufbau nach der Rückkehr in die Herkunftsstaaten eingesetzt werden können.“ (S. 22)
Diskriminierung durch Einfach-Ausbildung? Statt "Schnellkurse für Rückkehr" in die Herkunftsländer sollte der Fokus auf fairen Chancen für Ausbildung, Arbeit und eine langfristige Integration vor Ort liegen.
"Gemeinnützige Arbeit bietet Asylbewerbern die Chance, der Gesellschaft, die sie aufgenommen hat, etwas zurückzugeben." (S. 23)
Ordentlich ausgebildete Menschen, die in die Sozialversicherungen einbezahlen, stärken das Sozialsystem unserer Gesellschaft, geben ihr damit mehr zurück und empfinden sich als nützlicher und akzeptierter als verpflichtete "1-Euro-Kehrer"
„Die AfD lehnt jede weitere Umwidmung von Verkehrsflächen zulasten des motorisierten Individualverkehrs ab. Wir werden den Rückbau überflüssiger Fahrradwege und wenig genutzter Fahrradstraßen in Autofahrstraßen veranlassen.“
Das ist das verkehrspolitische Rollback für unsere Städte. Die AfD kündigt an, viele Errungenschaften zu schleifen, die Verkehrsprobleme in den Städten gelöst haben. Gerade Fahrradwege stehen für mehr Lebensqualität und Bewegungsfreiheit, besonders für Kinder und Schüler. Das soll alles durch „Rückbau“ zugunsten des Autoverkehrs geschehen, der wieder wie in der autogerechten Stadt der 1960er Jahre Priorität bekommt.
„Generell wird es mit uns keine Fahrverbote in den Innenstädten geben. Auf den Hauptverkehrsstraßen soll innerorts weiterhin Tempo 50 gelten, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Begrenzungen auf Tempo 30 sind nur vor Schulen und Kindergärten, Altenheimen
und Krankenhäusern sinnvoll.“
(S. 32)
Studien belegen, dass durch die verkehrstechnischen Maßnahmen der letzten Jahre die Luft- und Lebensqualität deutlich besser wurde durch:
- Schaffung von Radwegen
- Schaffung von Umweltzonen und verkehrsberuhigten Zonen
- Fahrverbote für umweltschädliche Autos mit Verbrennungsmotor
Besonders belegen das Messungen, die in Städten wie Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden gemacht wurden. Gleichzeitig gibt es Belege dafür, dass die Innenräume von größeren Städten durch einen Teil dieser Maßnahmen vor dem Verkehrskollaps bewahrt worden sind.
"Der Wirtschaftsstandort Innenstadt darf nicht zusätzlich durch ideologisch motivierte Verkehrsmaßnahmen beschädigt werden." (S. 25)
Mobilität soll sicher, klimafreundlich und sozial gestaltet sein. Busse, Bahnen, Rad- und Fußverkehr sind gezielt zu stärken, um den Straßenraum Schritt für Schritt fairer zu verteilen.
In sich schlüssige Konzepte, gegen die es keine sachlichen Argumente gibt, werden als ideologisch geprägt diffamiert und entwertet
„Die Sichtbarkeit kommunaler Ordnungskräfte im öffentlichen Raum ist auszubauen. Waffenverbotszonen sowie Videoüberwachungen sollen durch die Kommunen eingerichtet werden.“ (S. 19)
Eine Videoüberwachung als Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung muss verhältnismäßig zum angestrebten Erfolg sein. Dabei ist zu bedenken, dass eine Vielzahl von Personen zwangsläufig der Datenerhebung unterworfen werden, wenn sie die überwachte Örtlichkeit aufsuchen. Zweifellos wird manch potenzieller Täter vor dem Hintergrund eines höheren Entdeckungs- und Verfolgungsrisikos offen videoüberwachte Örtlichkeiten meiden, wenngleich auch nicht gänzlich Abstand von seinem Vorhaben nehmen.
„Sicherheit in Sport- und Kultureinrichtungen: Die AfD fordert hier eine Null-Toleranz-Strategie mit Zugangsbeschränkungen für auffällige Personengruppen, Identitätsfeststellungen, Einsatz von Sicherheitspersonal sowie konsequenten Hausverboten.“
Treffen Zugangsbeschränkungen, Hausverbote oder Ausweiskontrollen strukturell bestimmte ethnische oder ausländische Gruppen, verletzen sie das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes, ebenso die Verbote des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Das Diskriminierungsverbot in Art. 3 Abs. 3 GG untersagt Benachteiligungen u.a. wegen Herkunft, „Rasse“ und Glauben. Eine Politik, die ausdrücklich „vorwiegend Ausländer“ als Problemgruppe adressiert, verstößt gegen dieses Differenzierungsverbot, wenn sie Zugangsrechte an die Herkunft knüpft.
"Die deutsche Sprache ist Grundlage für Bildung und Integration. Sie muss in jedem Kindergarten verbindlich gefördert werden. Gleichzeitig lehnen wir die Politisierung der frühkindlichen Bildung ab. Themen wie Frühsexualisierung (I), „Gender“-Ideologie (II) oder klimapolitische Indoktrination (III) gehören nicht in die Kindergärten." (S. 9)
„Frühsexualisierung“ (I):
Altersgerechte Sexualerziehung ist ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit in Kindertages-stätten und Schulen. Sie trägt dazu bei, dass Kinder ein positives und gesundes Verhältnis zu ihrem eigenen Körper und ihrer Sexualität entwickeln.
„Gender-Ideologie“ (II):
"Gender-Ideologie“ oder „Genderismus“ – was ist das eigentlich? Das sind Kampfbegriffe: Sie werden dazu verwendet, alle Bemühungen um Geschlechter-gerechtigkeit abzuwerten oder lächerlich zu machen.
„Klimapolitische Indoktrination“ (III):
Klimawandel und Nachhaltigkeit – das sind auch Themen für die Kita. Mehr Hitzetage, eine längere Allergiesaison, neue Krankheiten, die durch Stechmücken oder andere Tiere übertragen werden - all das sind Begleiterscheinungen des Klimawandels und sie betreffen auch Kitas.